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Autofahren in Rußland - nichts für einen Mitteleuropäer ? Das ist nicht halb so schlimm, wie erzählt wird. Im Prinzip kommt man mit dem Verkehr viel leichter klar, als beispielsweise in Italien.
(Vyborg, die erste Stadt, die Sie von Finnland aus erreichen) Was wichtig ist:
Noch ein paar praktische Hinweise: Die Straßen sind kostenlos (keine Mautgebühren) und die Qualität der Fernstraßen nach St. Petersburg ist gut. Viele ältere Reiseführer behaupten etwas anderes, aber alleine seit 1999 sind alleine rund um St. Petersburg über 1.000 km Straßendecke erneuert worden - das merkt man. Die Straßenmarkierungen sind allerdings nach wie vor und vor allem nachts nicht gut sichtbar. Selbst wenn Sie kyrillische Buchstaben nicht lesen können, sollten Sie sich in Rußland keine Karte nur mit englischen Straßenbezeichnungen verkaufen lassen - die hilft nicht beim Straßensuchen und Lesen von Hinweiszeichen (diese sind ja kyrillisch)! Gut sind die kleinen detaillierten Atlanten, wenn Sie Fahrten in die Umgebung machen. Ideal ist es, wenn die Karte einen Unterschied zwischen asphaltierten und nur befestigten Straßen macht (insbesondere, wenn es tiefer ins Landesinnere gehen soll). In Deutschland sind keine guten Straßenkarten für Nordwestrußland erhältlich - versuchen Sie es erst garnicht. Hinter der Grenze erhalten Sie aber an den Tankstellen überall für 2 € bis maximal 10 € aktuelle Karten und Atlanten in teils guter Auswahl. Es gibt recht häufig allgemeine Verkehrskontrollen durch die DPS (früher GAI) = Verkehrspolizei, die sind harmlos und bedeuten nicht, daß Sie einen Fehler gemacht haben. Die Verkehrspolizisten verdienen gut - nicht am Gehalt, aber an den "slatka bulitschka" = süssen Brötchen = Bestechungsgeldern der Autofahrer. Für uns als Mitteleuropäer sind diese halboffiziellen "Strafen" aber eher geringfügig:
Wenn Sie kein Russisch können hilft in einem solchen Moment ein Stift, ein Blatt Papier und das (nach erhaltener Erläuterung des Fehlers und angemessener Zeit) reuig vorgetragene Sätzchen "skolka Straf?" = "wieviel Strafe ?" weiter. Wenn der Polizist anfängt, ein Protokoll anzufertigen, sagen Sie rechtzeitig "nijet, nie nada!" ... was soviel heißt, wie "nein, braucht es nicht". Es gibt u.a. ein Vergehen, daß mehr kostet: Wenn Sie über eine durchgezogene Linie (schlimmer noch: eine doppelte durchgezogene Linie) fahren, sind das etwa 1.500 RBL = 45 € (trotzdem ziviler Tarif, oder ?) - Achtung: Falls Sie auf offizielle Abwicklung bestehen - was der Polizist dann auch macht - könnte für die überfahrene Linie der Polizist sogar versuchen, Ihnen den Führerschein weg zu nehmen. Dann würde es leicht kompliziert: Sie müssen zu einer Polizeidienststelle, die Strafe (oder schlimmer noch: das Fahrverbot plus Strafe) aktzeptieren, diese bei einer Bank einzahlen und dann erhalten Sie den Führerschein erst wieder! Das gleiche Verfahren gilt auch, wenn Sie eine geringere Strafe nicht vor Ort zahlen, sondern ein Protokoll angefertigt wird (sozusagen das offizielle Verfahren): Es gibt einen Eintrag in der russischen Zulassung und Sie müssen die Strafe vor der Rückfahrt in einer "Sperbank" = Sparkasse bezahlen. Die Alkoholgrenze ist NULL. Tatsächlich wird es so gehandhabt, daß Messungen bis 0,4 Promille durchgehen. Ab 0,4 Promille und darüber werden Sie zum Bluttest oder Urinabgabe gebeten. Bevor Sie dem zustimmen (was Sie nicht müssen, wenn nicht deutliche Anzeichen dafür sprechen, daß Sie besoffen sind, d.h. Finger nicht zur Nase, keine gerade Linie laufen, Alkoholtest bei 0,8 oder mehr), sollten Sie nachdrücklich versuchen, eine Strafe bezahlen zu dürfen. Dann sind auch 2.000 - 5.000 RBL (60 bis 140 €) angemessen - Sie stecken nämlich in Schwierigkeiten. Wenn es zur Blutabnahme oder zum Urintest kommt, ist der Führerschein erst mal weg. Den bekommen Sie entweder (offizielles Verfahren) an der Grenze bei der Ausreise wieder (was nur klappt, wenn mehr als 14 Tage zwischen dem Entzug und Ihrer Ausreise stehen, oder wenn das deutsche Generalkonsulat ein gutes Wort für Sie einlegt), ODER Sie sprechen am Tag nach dem Führerscheinentzug auf der zuständigen Behörde den diensthabenden leitenden Beamten an, ob er nicht einen guten Rat für Sie hätte - dabei sollte das Reden unter 4 Augen jemand übernehmen, der gut russisch spricht. Dann bekommen Sie eventuell auch den Schein wieder - Kostenpunkt nicht unter 150 €. Nehmen Sie lieber ein Taxi, wenn Sie getrunken haben - es rechnet sich.
(die Herren der Verkehrspolizei sehen natürlich nicht annähernd so nett aus, wie Ihre Kollegin Leutnant Oxana Fedorova von der St. Petersburger Polizei auf dem Foto links - die Miss Universe des Jahres 2002 an Ihrem Arbeitsplatz). Zumindest rund um St. Petersburg und Moskau hat die Polizei immer auch Übersetzer zur Verfügung, die herbei geholt werden können. Wenn es ein Unfall mit Personenschaden ist, verständigen Sie besser umgehend Ihr Konsulat. Die Nummer finden Sie hier. Das Umfahren von Fußgängern wird in Rußland mindestens so ernst bestraft, wie bei uns. Tun Sie es nicht - fahren Sie rücksichtsvoll. Passiert es doch und sind Absicht oder Alkohol im Spiel, brauchen Sie - wie auch bei uns daheim - garantiert einen Anwalt. Benzin ist wie schon gesagt sehr billig. Kurze Qualitätslehre: Es gibt eine Unterscheidung nach der Oktanzahl. Dabei entspricht der Typ 76 etwa Terpentin (kein Scherz, einige russische PKW fahren damit), nur der Typ 92 ist unser Normalbenzin, 95 ist Super und 98 ist Super Plus. Alle Typen sind praktisch immer bleifrei. Wenn eine Tankstelle neben 95 auch noch 95 E anbietet, dann ist ausnahmsweise das Superbenzin 95 auch verbleit und als Fahrer eines PKW mit Kat müssen Sie an der Stelle 95 E tanken. Steht nichts dabei und es gibt nur eine Sorte 95, dann ist es bleifrei. Es stimmt nicht, was noch in vielen Reiseführern steht, daß es problematisch wäre bleifreies Benzin zu bekommen. Das ist es nicht. Ach ja: Diesel ist mit den Buchstaben DT gekennzeichnet (das russische D sieht etwa wie unser A aus). Diesel ist als einzige Sorte qualitativ manchmal recht unterschiedlich (besonders wenn es auffallend billig ist, ist es wahrscheinlich eher leichtes Heizöl ... auch damit fährt ein Dieselmotor, es tut Ihm aber nicht gerade gut). Wenn Sie einen empfindlichen Motor haben (z.B. alle Audi Turbodiesel) sollten Sie insbesondere im tiefen Winter Diesel nur bei den Stationen der Tankstellenketten Neste, Shell, Aero, Kirpitschautoservice oder Lukoil tanken - die gibt es im Nordwesten in ausreichender Anzahl und der Diesel dort ist sicher in Ordnung. Noch ein Wort zu den Ampeln und den erlaubten Geschwindigkeiten: Die Ampeln zeigen rot, dann eine Weile rot und gelb und dann grün, danach blinkt grün, dann wird es gelb und dann sehr rasch rot. Fahren dürfen Sie absolut nur bei grün, klar. Weil der Querverkehr noch grün hat, wenn Sie "schon" rot und gelb sehen, sollten Sie das auch beherzigen. Eine Haltelinie gibt es praktisch nicht und Sie müssen die Ampel an der gegenüberliegenden Kreuzungsseite beobachten, wenn Sie zur Sichtlinie vorfahren (was in der Regel nötig ist). Erlaubte Geschwindigkeit sind innerorts 60 km/h, auf Landstraßen 90 km/h und auf wenigen ausgebauten mehrspurigen Straßen 110 km/h (was dann ausdrücklich angeschrieben ist). Achtung: Viele Ortschaften ziehen sich meist noch weit bis nach die Bebauung und da stehen sie dann, die Herren von der GAI (Verkehrspolizei) mit den Radarmeßgeräten ... ! Wenn Sie Ihren Führerschein erst bis zu 2 Jahre haben, dann gilt für Sie grundsätzlich Höchstgeschwindigkeit 70 km/h. Es gibt in St. Petersburg einige Nebenstraßen mit sensationell tiefen Löchern. Wenige nur noch, aber es gibt sie. Seien Sie also aufmerksam. Der Top-Vorteil des eigenen PKW ist natürlich die Bewegungsfreiheit vor Ort. Das gilt allerdings NICHT, wenn Sie ausschließlich die Stadt selbst besuchen wollen: Vor Ort sind Metro, Straßenbahn, Busse und Taxis klar im Vorteil. Der Wagen macht viel Sinn, wenn Sie die Umgebung erkunden wollen. Zum Schluß noch ein Hinweis: Auch wenn man das teils noch anders lesen kann, ist seit 1998 tatsächlich eine große Freizügigkeit bei Reisen in Rußland Realität. Wenn Sie ein Visum für St. Petersburg zur Einreise mit dem PKW haben, dann können Sie sich in der Stadt und im weiten Umland frei bewegen. Wenn Sie einmal registriert sind, dann können Sie auch individuell außerhalb der Stadt übernachten. Also: Die Tour rund um den Ladoga-See oder bis nach Petrozavodsk ist nicht nur interessant, sondern ohne weiteres möglich. St. Petersburg ist weit größer als Berlin und die Staus in der Innenstadt sind kein Vergnügen, zumal im Moment an einigen Brücken und Straßen Tag und Nacht gearbeitet wird, in 2006 wird z.B. die Leutnant-Schmidt Brücke zwischen Vassilevski-Insel und Innenstadt wegen einer Totalrenovierung über Monate zum Teil gesperrt sein und der Verkehr läuft dann über eine Behelfsbrücke - das gibt erhebliche Rückstaus. Einer schönsten Gründe, mit dem Auto zu kommen, ist übrigens folgende Tour: - ab Rostock mit Superfast ( www.superfast.com ) nach Hanko in Finnland (oder Anreise über Dänemark und Schweden ... siehe unter www.mein-petersburg.de/nordfahrt.htm ) - weiter nach St. Petersburg (Übernachtung in Finnland nur in Helsinki zu empfehlen, Hotels sind überall überteuert) - in St. Petersburg mindestens 1 Woche Aufenthalt (Ausflüge nach Peterhof, Pushkin, zum Ladogasee, an den finnischen Meerbusen oder nach Nowgorod, für empfehlenswerte Übernachtungsmöglichkeiten schauen Sie unter www.mein-petersburg.de - auch mit bewachten Parkplätzen) - weiter über die eestische Grenze nach Narva (1 Übernachtung am Wege oder im schönen Tallin) - von Tallin entweder nach Riga , dort Übernachtung z.B. in Jurmala, dem Vorort am Meer - von Riga nach Ventspils und von dort (mit Scandlines www.scandlines.de) zurück nach Rostock oder nach Paldiski und mit Superfast zurück nach Rostock Das ist eine Traumtour von Mai bis Oktober ! Im Winter (ab Dezember bis März) ist es wegen des harten Klimas eher etwas abenteuerlich, aber auch interessant. Ein spezialiesierter Veranstalter fur Motorradtouren ist ubrigens: www.ride-to-east.de
Das war die kleine "Schlange" am Grenzübergang von Finnland aus am 01.05.2006. Wartezeit ist dort (auf finnischer Seite in Richtung Russland) in der Regel nur 15-30 Minuten. Den exakten Ablauf Ihrer Einreise haben wir hier im Detail dargestellt: Ablauf. Hier geht es weiter zum Thema "Haftpflichtversicherung". |
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